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Betriebsausflug

Betriebsausflug

Es war Mittag und wir fuhren gemeinsam zum Citysportboothafen. Wir, das waren Meli, Cecilia, Lydia, Tani, Esmira, die ihre Betty nicht mitnehmen konnte, Freya und ich. Betty war nicht wegen ihrer Blindheit nicht mitgekommen, sondern hatte etwas anderes vor. Als ich sie gefragt hatte, hatte sie auf das BAT Sailing Team verwiesen, was Segeln für Blinde und Sehbehinderte ermöglichte.

„Segelt ihr mal.“ Was will man da machen? Für sie war Freya eingesprungen, die ja eigentlich gar nicht mehr in die Lieblingsfalle gehörte. Sie hatte ihren Abschluss gemacht, damit war das Sklavenverhältnis mit mir eigentlich beendet. Sie hatte eine neue Herrin, nämlich Lena.  Außerdem war damit ihre Putzsklavinnenstelle verwirkt. „Ich finde raus, ob das eine Ausrede ist und klär das gegebenenfalls mit Deiner Herrin.“ „Mach das!“ Sie streckte mir die Zunge raus. Bettys Herrin war Esmira, die mich ja begleiten würde. Ich hatte Freya genannt, aber wo war die eigentlich? Bisher waren wir nur ein halbes Dutzend und von Freya keine Spur. Als sie noch meine Sub war, wäre das nicht passiert. „Ruhig Jessica“, versuchte ich das Mantra.

Wir gelangten zu den Landungsbrücken und liefen das Stück zum Sportboothafen. Beim Feuerschiff warteten wir, wie verabredet. Doch wer war das, die da über den Steg spazierte? Das war Freya. Sie öffnete das Tor und grinste. „Was machst Du denn hier?“, entfuhr es mir. Freya guckte mich schief an. Sie hatte ihr Studium in meiner Sklaverei erlebt, hatte vor wenigen Wochen ihren Abschluss gemacht, war jetzt Rechtsanwältin und ich formell nicht mehr ihre Herrin. Nein, es war nicht nur formell. Ihre Herrin war jetzt meine Freundin Lena und ich hatte ihr nichts mehr zu befehlen. „Ich soll hier die Ladies abholen, hat man mir befohlen.“ „Ist Lena an Bord?“, platzte es aus mir. „Nö.“

Sie machte kehrt und die Vereinigte Besatzung der Lieblingsfalle folgte ihr bis zum Ende des Stegs. „Wieso befohlen?“ „Hast Du das nicht neulich auch, oh Käpt’n mein Käpt’n?“ Eins zu null für Dich – dachte ich.

„Wir gingen bis zum Ende des Stegs und dort lag eine Bavaria. An Bord war niemand zu sehen, was mich wunderte. Ein Schopf erschien aus der Kajüte. Unsere Blicke trafen sich. Mir fiel wohl ein bisschen die Kinnlade herunter, aber die Frau, die erschien, war nicht im mindesten überrascht. Ich hätte es wissen müssen. Es war Emma. Die Dame, die Profiseglerin, die sonst  um die Welt segelte, war hier in Hamburg. „Was machst Du denn hier?“ „Vor 2 Monaten war der Helgacup in Hamburg und jetzt ist ein kleines Nachtreffen. Da dachte ich, ich segel auch mal wieder in Hamburg.“

Der Helga Cup ist die größte Frauenregatta der Welt. Sie findet seit 2018 im Juni auf der Alster statt und bereits ihre zweite Auflage hatte 76 Teams und über 300 Teilnehmer. Später sollte ich belehrt werden, denn seit 2023 ist der Veranstalter der Verein „Wir sind Wir Inclusion in Sailing e.V.“, also genau das, was Betty mir vorhin unter die Nase gerieben hatte. Das ließ Emma auch mal direkt nach dem Ablegen fallen. Aber zuerst erfolgte eine kurze Einweisung und eine Rollenverteilung. Im Falle eines Notfalls ist das und das zu tun und wer hat das Kommando? Freya. „Mach Du den Bock zum Gärtner.“, war mein Kommentar. Aber Emma grinste nur: „Freya kann das, sie hatte gute Lehrerinnen.“ „Eigenlob stinkt.“, konterte ich, denn vor mir war Emma Freyas Herrin gewesen.

„Könnt Ihr mit Eurem Hahnenkampf mal bitte aufhören!“, zischte Meli uns von der Seite zu. Emma und ich schauten sie verblüfft an. Freya holte Kissen aus der Kajüte und Rettungswesten und reichte sie nach oben. Sie schaute die anderen Gäste an: „Seht zu, dass ihr nicht auch völlig hilflos werdet, wenn man Euch die Leibsklavin nimmt!“ Dieses Luder schaute mich dabei nicht mal an. „Bei mir hat sie noch jeden Befehl befolgt!“, lockte mich Emma, aber ich ging nicht auf die Provokation ein. „Deine Erziehung hingegen scheint nicht nachhaltig. Du hingegen musstest Dich nie beschweren!“ „Ruhe Jetzt!“, fuhr Meli dazwischen. Sie schaute Emma an: „Ich würde mal vorschlagen, wir legen jetzt ab.“ Die nickte. „Du hast doch beim Segeln von Tuten und Blasen keine Ahnung.“, warf Lydia ein, aber Melis Blick ließ sie verstummen. „Da ist sie doch Spezialistin, Themenübergreifend.“, konnte sich Tani nicht verkneifen. Meli griff nach einem Tauende und zog es Tani über den Rücken. Emma hielt sich die Hand vor die Augen. „Was habe ich mir hier eingefangen?“ Sie blickte in die Runde. „Ich leg dann mal ab.“ Das tat sie mit einer Selbstverständlichkeit einer Profiskipperin.

Wir hatten Südwestwind und Emma übergab Freya das Ruder, während wir mit ihr die Segel setzten. Die Bavaria hatte ein Rollgroßsegel was sich anders setzen ließ, als ich es gewohnt war. Für Emma schien das alles kein Problem zu sein. Auch das Vorsegel wurde schnell ausgerollt. „Ihr wollt doch Segeln, oder?“ Ich sah, wie sich Freya auf die Lippen biss und ich kannte sie zu gut, um nicht zu wissen, was sie eigentlich wollte. „Nein, wir kuscheln nicht!“, entschied ich. Esmira grinste zu ihr: „Wie hast Du es nur sieben Jahre mit dieser grausamen Herrin ausgehalten?“ Freya hob die Hand und meinte: „Nicht jeder hat eine so gütige Herrin wie Betty.“ Ich knuffte sie dann doch in die Seite.

Emma und ich schauten uns an. „Meli, Du übernimmst das Steuer, steuer auf das Haus da zu. Tani. Du hältst Ausschau. Kommt Mädels. Wir kitzeln das Luder jetzt mal so richtig durch.“

Wir waren voll bei der Sache als Tani meldete, dass sich ein Boot näherte. Es waren vier Damen an Bord und ich erkannte Betty, die über allem thronte und die Sonne genoss. „Rasmus, altes Rübenschwein, schenk uns Wind und Sonnenschein!“ – brüllte Freya. „Was macht Ihr für ein Geschrei, der ganze Hafen hört Euch, man glaubt, da wird jemand gefoltert.“ „Werde ich ja auch. Ich werde das alles Herrin Lena petzen, das darf ich nur nicht sagen, darum halt Rasmus.“ „Ich hab nix gesehen.“ „Erst ernennen sie mich zum Coskipper und dann foltern sie mich als Dank. Lass Dich nie mit ihnen ein.“

 


 
 
 

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